Die Regio Tour ist Geschichte – Rudi Renz hört auf
  17.05.2013 •     Straße


Die Regio Tour ist Geschichte. Das Radrennen, das seit 1985 die Velofans in Südbaden begeistert hat und zu seiner Hochzeit Spitzensportler nach Südbaden lockte, wird es nicht mehr geben. Organisator Rudi Renz hat aufgegeben...

Der Gundelfinger, der sich mit unermüdlicher Energie und Hartnäckigkeit sowie einer gebührenden Portion Fingerspitzengefühl alljährlich ans Planen machte, hat aber keineswegs wegen der prekären Lage, in der der Radsport hierzulande steckt, die weiße Fahne der Kapitulation gehisst. Der fast 70-Jährige musste aus gesundheitlichen Gründen passen. "Ich möchte die Zeit noch ein wenig genießen", sagt er und bittet quasi um Nachsicht. Zu gerne hätte er noch eine 29. Auflage auf die Beine gestellt, doch sein Gesundheitszustand lässt das nicht mehr zu. Die Ärzte haben warnend den Finger gehoben.

Schweren Herzens hat Renz jetzt das Kapitel Regio Tour abgehakt. Seine Tochter Cornelia, die ihm seit einigen Jahren tatkräftig zur Seite stand, ist noch mit der Abwicklung der Geschäfte beschäftigt. Renz bleiben die Erinnerungen. An tolle, ereignisreiche Jahre.

Ursprünglich als Rennen für ambitionierte Amateure und hoffnungsvollen Nachwuchs gedacht, entwickelte sich die Regio Tour schnell und prächtig. Das fünftägige Etappenrennen, das, so war es ursprünglich geplant, durch das gesamte Dreiländereck führen sollte, gab bald den Magneten für den buntschillernden Profitross. Und mit diesem kamen auch die Zuschauer. Dichte Menschentrauben säumten die Pässe im Schwarzwald und in den Vogesen, nicht zuletzt auch im Kaiserstuhl, wo lange Jahre traditionell nach einem mehrfachen "Ritt" über den sogenannten Texaspass zwischen Oberbergen und Kiechlinsbergen der Tour-Sieger gekrönt wurde. Als solche trugen sich Größen wie die Italiener Mario Cipollini (1987) und Filippo Simeoni (2000), der Russe Wjatscheslaw Jekimow (1988), die Franzosen Pascal Hervé (1993), Laurent Brochard (1994 und 2002) und Patrice Halgand (2001) sowie der Kasache und spätere London-Olympiasieger Alexander Winokurow (2004) in die Siegerlisten ein. Dazu zwei zu einiger Berühmtheit gelangte Deutsche: Andreas Klöden (2006) sowie Jan Ullrich (1996).

Dass es bei seinem Rennen, wie Rudi Renz sagt, "nie zu einem Dopingfall gekommen" ist, macht ihn bis heute froh. Dass einige der Rennfahrer, die ihm schulterklopfend verbunden waren, so auch der Texaner Lance Armstrong, später als Dopingsünder enttarnt wurden, musste er missbilligend zu Kenntnis nehmen. In mehrfacher Hinsicht.

Es war nicht nur der Sportbetrug, der ihn nervte. Es hatte für seine Rundfahrt auch existenzielle Folgen. Die Rothaus-Brauerei als Hauptsponsor wollte mit derlei Machenschaften nichts zu tun haben und zog ihr Engagement immer mehr zurück. Mit der Folge, dass die Profis letztmals 2008 durchs Elsass und Südbaden rollten. Seither galt Renz’ Augenmerk – gezwungenermaßen – dem Nachwuchs. "Die Junioren sind die Zukunft, sie brauchen solche Rennen."

Jetzt ist aber auch für sie Schluss. Mit der Tour 2012 endete das Sponsoring der Brauer aus dem Schwarzwald. Andere Geldgeber sind nicht in Sicht – der Radsport hat es diesbezüglich schwer. Als ständig wachsende Hürde hat Renz zuletzt aber auch die Behörden wahrgenommen. Entgegenkommen hätte es kaum mehr gegeben. Und so hat er aufgehört, still und leise. Die Arztbesuche haben ein Übriges getan.